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Höhepunkt, Schlusspunkt, ein Punkt?

Es war ein lautstarker Empfang, den Hunderte Spanier den Rutronik Stars Keltern gestern am Flughafen Barcelona bereiteten. Doch: Keine Basketballfans marschierten da singend, klatschend, Fahnen schwenkend, Papierfetzen werfend durch die Halle – sondern Terminal-Mitarbeiter, die für einen besseren Lohn kämpften, wie Marina Markovic die Proteste übersetzte. Ihre Teamkolleginnen waren zuletzt auf den Azoren und in Bad Aibling, in Belgien und Nördlingen, zuletzt auch in Rotenburg – und jetzt: in Spanien, genau genommen Katalonien, darauf legt man hier Wert. Um 12.11 Uhr landeten die Rutronik Stars Keltern in Barcelona, von wo sie ein Bus ins gut 100 Kilometer nordöstlich gelegene Girona brachte. Das heutige EuroCup-Gastspiel bei Spar Citylift Girona (20.15 Uhr) ist der Höhe- und Endpunkt der Kelterner Auswärtswochen.

Das Gastspiel beim Zweiten der spanischen Liga Feminina ist nicht nur Kelterns sechste Spiel in der Fremde in Folge, sondern auch das schwerste Spiel des Jahres. Daran lässt Maja Vucurovic kein Zweifel: „Wir müssen über unserem normalen Niveau spielen, zudem sollte Girona nicht in Topform sein“, sagt die Serbin, nippt vor dem Abflug in Frankfurt an ihrem Kaffee, und ergänzt dann: „Und wir brauchen Glück.“ Dass der Zweite der spanischen Liga Feminina sein jüngstes Spiel verloren haben, ist freilich kein Indiz für eine solche Formschwäche: Gegner war CB Avenida, der Spitzenreiter und Titelverteidiger. Bis dahin war Gironas Bilanz in zwölf Pflichtspielen makellos, Zweiter sind sie in der Liga, unangefochtener Erster in der Europapokal-Gruppe F.

Dahinter rangiert Keltern, das aber im Hinspiel kapitulierte: Schon nach 15 Minuten hatten sich die Sterne den 17-Punkte-Rückstand eingehandelt, der auch am Ende (66:83) noch Bestand hatte. Cheftrainer Christian Hergenröther hatte danach Ängstlichkeit und mangelnde Athletik bemängelt. „Den Größenunterschied konnten wir nie ausgleichen“, sagte er damals. Gewachsen sind seine Spielerinnen in der Zwischenzeit zwar nicht. Und doch schneidet der Coach während des gut eineinhalbstündigen Flugs Szenen aus dem Hinspiel zusammen, mit denen abends in der Videoanalyse vor dem Abschlusstraining zeigt, wie seine Basketballerinnen mit dem scheinbar übermächtigen Gegner besser klarkommen können. „Wir müssen mehr zusammenspielen, mehr in Bewegung sein als im Heimspiel“, sagt Hergenröther im Gespräch mit der PZ. „Denn sonst kommen wir in zu viele Eins-gegen-Eins-Situationen – und da ist Girona zu stark.“ Auch die Verteidigung müsse sich steigern: „Wenn die da 1,70 Meter große Flügelspielerinnen gegen 1,90 Meter große Gegnerinnen spielen, müssen wir schnell Hilfe hinzuziehen“, erklärt er.

Die körperlichen Unterschiede spiegelten sich beim Hinspiel in der Rebound-Statistik wieder: mit 43:29 ging diese an Girona. Und auch bei der Dreierquote lagen die Katalanen mit 58 Prozent klar vor Keltern (35). Wollen die Sterne für eine Sensation sorgen, müssen sie sich hier steigern und die Zweierstatistik ähnlich ausgeglichen gestalten – und das obwohl Power Forward Markovic zwar mitreiste, aber wegen ihrer Sprunggelenksverletzung weiter ausfällt. Dass die Wahrscheinlichkeit einer Überraschung klein ist, bestätigt auch Leonie Elbert.  „Aber Favorit war Wasserburg auch“, erinnert die 20-Jährige an den 73:61-Erfolg gegen den Bundesliga-Spitzenreiter.

An die Größe der Spanierinnen kommen dessen Spielerinnen zwar nicht heran. Und auch die Atmosphäre wird in der Arena Pavelló Fontajau, wo am Sonntag 5200 Fans das Spitzenspiel gegen Avenida sahen, wohl eine andere sein als in Keltern. Doch immerhin sind die Rutronik Stars gestern ein wenig auf lärmende Spanier vorbereitet worden – wenn auch nur in Form des Demonstrationszuges durch den Flughafen.

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